UMWELT-GEFÄHRDUNGS-BEURTEILUNG

Umwelt-Gefährdungs-Beurteilung (UGB)

Umweltaspekte systematisch erkennen, bewerten und verbessern

Die Umwelt-Gefährdungs-Beurteilung (UGB) überträgt die seit Jahrzehnten bewährte Methodik der Gefährdungsbeurteilung aus dem Arbeitsschutz auf den Umwelt- und Klimaschutz.

Ziel ist es, Umweltaspekte nicht nur zu erfassen, sondern sie systematisch zu bewerten, Wechselwirkungen zu erkennen und geeignete Verbesserungsmaßnahmen abzuleiten. Dadurch entsteht ein nachvollziehbarer und kontinuierlich verbesserbarer Bewertungsprozess.

Die UGB versteht sich ausdrücklich nicht als Ersatz, sondern als praxisnahe Ergänzung zu bestehenden Umweltmanagementsystemen wie EN ISO 14001 und EMAS.


Warum eine Umwelt-Gefährdungs-Beurteilung?

Im Arbeitsschutz ist die Gefährdungsbeurteilung seit vielen Jahren das zentrale Instrument zur Erkennung und Verringerung von Risiken.

Auch Umweltwirkungen entstehen durch Tätigkeiten, Produkte, Dienstleistungen und Prozesse. Dennoch fehlt bislang eine allgemein anerkannte Methodik, die Umweltaspekte in vergleichbarer Weise systematisch betrachtet.

Die Umwelt-Gefährdungs-Beurteilung schließt diese Lücke, indem sie bekannte Managementmethoden auf den Umwelt- und Klimaschutz überträgt.


Ziele der UGB

Die Umwelt-Gefährdungs-Beurteilung unterstützt Unternehmen, Behörden und Organisationen dabei,

  • relevante Umweltaspekte vollständig zu erfassen,
  • Umweltwirkungen und Wechselwirkungen frühzeitig zu erkennen,
  • Risiken und Verbesserungspotenziale transparent zu bewerten,
  • geeignete Maßnahmen abzuleiten,
  • Entscheidungen nachvollziehbar zu dokumentieren,
  • den kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) wirksam zu unterstützen.

Dabei können sowohl der eigene Betrieb als auch Beschaffung, Lieferketten, Nutzung und Entsorgung betrachtet werden.


Vorgehensweise

Die Umwelt-Gefährdungs-Beurteilung orientiert sich am bekannten Ablauf der Gefährdungsbeurteilung:

  1. Tätigkeit, Produkt oder Prozess festlegen.
  2. Relevante Umweltaspekte identifizieren.
  3. Auswirkungen auf Umwelt und Klima bewerten.
  4. Verbesserungsmöglichkeiten entwickeln.
  5. Maßnahmen festlegen.
  6. Wirksamkeit kontrollieren.
  7. Regelmäßig aktualisieren.

Dadurch entsteht ein transparentes und nachvollziehbares Bewertungssystem.


Gefährdungsfaktoren / Umweltaspekte

Die Umwelt-Gefährdungs-Beurteilung basiert auf einer systematischen Betrachtung möglicher Umweltaspekte. Je nach Tätigkeit, Produkt, Dienstleistung oder Prozess können unterschiedliche Faktoren von Bedeutung sein.

Die nachfolgende Übersicht enthält derzeit 50 Gefährdungsfaktoren bzw. Umweltaspekte. Sie bildet die Grundlage für die Umwelt-Gefährdungs-Beurteilung und wird kontinuierlich weiterentwickelt.

Nicht jeder Faktor ist in jedem Anwendungsfall relevant. Ziel ist es, die tatsächlich zutreffenden Umweltaspekte zu identifizieren, ihre Bedeutung zu bewerten und geeignete Verbesserungsmaßnahmen abzuleiten.

Gefährdungsfaktor / Umweltaspekt
Abfall (inkl. Verpackung, Recyclingpotenzial)
Abgase / Emissionen (Regelbetrieb)
Abwärme (thermische Belastung von Boden, Luft und Wasser)
Abwasser & Einleitungen
Albedo / Reflexion / Wellenlängenspektrum
Atmosphärische Entladungen (Blitze)
Beschaffung & Einkauf (Lieferketten, Vorketten)
Biologische Stoffe / Pathogene (inkl. invasiver Arten)
Bodenqualität & Sedimentation
Bodentemperatur
Chemische Faktoren / Umweltgefahrstoffe
Druckunterschiede (Überdruck, Unterdruck, Höhenlage)
Elektrische Faktoren & Magnetfelder
Energiebedarf
Entfernungen & Transportwege
Entsorgungswege & Entsorgungssicherheit
Erosion (Wind- und Wassererosion)
Feinstaub / Staubemissionen
Flächenverbrauch / Versiegelung / Landnutzung
Gefahrstoffeinsatz & -lagerung
Geschwindigkeit (Prozesse, Verkehr, Strömungen)
Klima / Atmosphäre / Wetter / Wind / Nebel / Strömung
Grundwasser & Hydrologie
Klimarelevante Stoffe (z. B. CO₂, CH₄, N₂O, F-Gase)
Kühlwasserbedarf
Kunden- & Lieferantenverhalten
Lärm / Schall
Licht / Lichtemission / Lichtverschmutzung
Luftfeuchtigkeit, Wasserdampf & Nebel
Lufttemperatur (Mikroklima)
Mangel an Ressourcen (Nahrung, Wasser, Energie und daraus resultierende energieintensive Beschaffungswege)
Masse & Volumen (ressourcen- und transportintensive Güter)
Mechanische Faktoren (Maschinen, bewegte Teile)
Menschliches Verhalten & Umweltbewusstsein (inkl. Verbraucherschutz)
Multifaktorielle Gefährdungen (Wechselwirkungen)
Niederschlag & Schneedecke
Relief & Topographie
Rohstoff- & Ressourcenverbrauch
Salinität (Versalzung von Böden und Gewässern)
Sonstige bzw. neue Umweltaspekte
Standortempfindlichkeit (z. B. Schutzgebiete, FFH-Gebiete)
Störfall-, Havarie- & Brandrisiken
Strahlungen (ionisierend und nichtionisierend)
Tiere / Haustiere / Nutztiere (inkl. langfristigem Ressourcenbedarf)
Verkehrs- & Logistikaufkommen
Verlust von Biomasse & Vegetation (inkl. Photosynthese)
Vibrationen & Erschütterungen
Wasserressourcen & Oberflächengewässer
Wind & Luftströmungen

Nicht jeder Umweltaspekt ist in jedem Fall relevant. Ziel ist es, die tatsächlich zutreffenden Faktoren systematisch zu identifizieren und nachvollziehbar zu bewerten.


Die Umwelt-Gefährdungs-Matrix

Herzstück dieser Seite ist die interaktive Umwelt-Gefährdungs-Matrix.

Sie ermöglicht es,

  • Umweltaspekte strukturiert zu erfassen,
  • Zusammenhänge zwischen Fachbereichen und Sachgebieten sichtbar zu machen,
  • gezielt auf weiterführende Fachinformationen zuzugreifen,
  • Umweltwissen systematisch miteinander zu verknüpfen.

Die Matrix dient damit nicht nur als Bewertungsinstrument, sondern gleichzeitig als Wissens- und Navigationssystem innerhalb des DUGV-Portals.


Interaktive Umwelt-Gefährdungs-Beurteilung Matrix

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Von der Theorie zur Praxis

Die Umwelt-Gefährdungs-Beurteilung entfaltet ihren größten Nutzen bei konkreten Anwendungen.

Deshalb werden auf dem DUGV-Portal schrittweise Praxisbeispiele veröffentlicht, die zeigen, wie sich die Methodik auf unterschiedlichste Themen anwenden lässt – von Gebäuden über Energie und Verkehr bis hin zu Produkten, Dienstleistungen und organisatorischen Fragestellungen.

Jedes neue Beispiel trägt dazu bei, die Methodik weiterzuentwickeln und ihre Praxistauglichkeit zu überprüfen.


Gemeinsam weiterentwickeln

Die Umwelt-Gefährdungs-Beurteilung versteht sich als offenes Konzept.

Anregungen aus Unternehmen, Behörden, Wissenschaft sowie aus den Bereichen Umwelt-, Qualitäts-, Arbeits- und Energiemanagement sind ausdrücklich willkommen.

Ziel ist es, gemeinsam eine nachvollziehbare, praxisnahe und international anwendbare Methodik zur systematischen Bewertung von Umweltaspekten weiterzuentwickeln.

Denn wirksamer Umwelt- und Klimaschutz beginnt mit einer einfachen Frage:

Welche Umweltwirkungen entstehen – und wie können wir sie systematisch verbessern?


Revision: 2Erstellt/Geändert:Geprüft:Freigegeben:Gültig ab:
Datum:31.07.202631.07.202631.07.202631.07.2026
Unterschrift:BeauftragteAufsichtsratVorstandBeauftragter