AUßENJALOUSIEN

📄 Portal-Inhalt: Prozess- und Systembeschreibung Außenjalousien

Außenjalousien gehören zu den wirksamsten Maßnahmen gegen sommerliche Überhitzung von Gebäuden. Im Gegensatz zu innenliegenden Rollos stoppen sie die Sonnenstrahlung bereits vor der Fensterscheibe. Gleichzeitig können sie in Winternächten den Wärmeverlust über Fenster reduzieren und den Heizenergiebedarf senken.

1. Zweck

Diese Systematik beschreibt den standardisierten Einsatz, die Auswahl und die Nachrüstung von Außenjalousien und Raffstores als primäre technische Schutzmaßnahme an Gebäuden. Ziel ist die energetische Optimierung der Gebäudehülle, die signifikante Senkung des Energiebedarfs für Kühlung (Sommer) und Heizung (Winter) sowie die Etablierung eines replizierbaren Prozesses im Sinne unseres genossenschaftlichen Ansatzes.

2. Geltungsbereich

Der Geltungsbereich umfasst alle Wohn-, Gewerbe- und Verwaltungsbauten, die im Rahmen der genossenschaftlichen Beratung, Sanierung oder Eigenleistung optimiert werden. Er erstreckt sich sowohl auf den Neubau als auch auf die zerstörungsfreie und mieterfreundliche Nachrüstung im Bestand.

3. Begriffe

  • Raffstore / Außenjalousie: Außen vor dem Fenster angebrachte, ggf. im Neigungswinkel verstellbare Lamellensysteme aus Aluminium zur flexiblen Licht- und Wärmelenkung.
  • Vorbau-System: Kompakte Einheit aus Jalousiekasten und Führungsschienen, die nachträglich auf den Fensterrahmen oder in die Laibung montiert werden kann.
  • Transmissionswärmeverlust: Der Wärmestrom, der im Winter von innen nach außen durch das Fensterglas entweicht.
  • Sommerlicher Wärmeschutz: Maßnahmen zur Begrenzung des solaren Wärmeeintrags ohne mechanische Kühlung.

4. Zuständigkeit und Verantwortlichkeiten

  • Genossenschaftliche Beratung (Technik): Durchführung des Aufmaßes, thermodynamische Beratung und Systemauswahl (Lamellenform, Montageart).
  • Ausführende Einheiten (Handwerk/Eigenleistung): Fachgerechte, lotrechte Montage der Profile und des Kastens nach dieser Prozessbeschreibung.
  • Nutzer/Bewohner: Sachgemäße Bedienung (zyklische Anpassung der Lamellenstellung, Beachtung von Sturmwarnungen).

5. Beschreibung des Prozesses (Schritt-für-Schritt)

Die Installation erfolgt nach einem standardisierten, fehlerreduzierenden Montageverfahren:

📐 1. Aufmaß & Variantenfestlegung

Qualitätssicherung

Präzises Ausmessen der lichten Weite der Fensterlaibung oder des Rahmens an jeweils drei Punkten (oben, mitte, unten), um Bautoleranzen auszugleichen. Festlegung der Montageart (auf dem Rahmen oder in der Laibung).

🔩 Montage der Führungsschienen

Montage der Führungsschienen: Aluminiumprofile.

Die seitlichen Aluminium-Führungsprofile links und rechts lotrecht ausrichten und am Fensterrahmen oder Mauerwerk fixiert montieren. Diese Schienen nehmen später die Windlasten auf.

📦 Einhängen des Jalousienkastens Kopfmontage.

Der vormontierte Jalousiekasten (inklusive Lamellenpaket und Welle) wird von oben in die Führungsschienen eingesetzt, formschlüssig arretiert und mechanisch gegen Abheben gesichert.

⚙ Einstellung

Antriebs- und Endlagenjustierung: Inbetriebnahme.

Herstellung der Betriebsbereitschaft (Gurt, Kurbel oder Anschluss des Solar-Funkmotors). Einstellen der oberen und unteren Endanschläge sowie der Lamellen-Wendenfunktion.

6. Überwachung und Messung (Qualitätskontrolle)

Zur Sicherung der ISO-9001-Konformität sind nach der Montage folgende Prüfkriterien zu dokumentieren und freizugeben:

  1. Leichtgängigkeit: Fährt das Lamellenpaket ruckfrei und ohne Schleifgeräusche über die gesamte Höhe?
  2. Licht- und Sichtprüfung: Schließen die Lamellen in der Verdunkelungsstellung bündig ab?
  3. Schnittstellenprüfung: Ist die Befestigung der Profile wind- und wetterfest ohne Verletzung der thermischen Trennung des Fensters?

7. Thermodynamischer Wirkungsgrad & Kennzahlen

JahreszeitPhysikalischer EffektEnergetischer NutzenKennzahl (Zielwert)
SommerReflexion & Absorption: Sonnenstrahlen werden blockiert, bevor sie das Glas passieren und den Raum per Treibhauseffekt aufheizen.Reduktion des solaren Wärmeeintrags; Verzicht auf fossile/stromintensive Klimatisierung.Abweisung von bis zu 80-85% der solaren Einstrahlung.
WinterZusätzliche Wärmedämmung: Herabgelassene Lamellen bilden ein stehendes, isolierendes Luftpolster vor der Scheibe.Verringerung der Auskühlung über die Glasflächen in der Nacht; Senkung der Heizlast.Reduktion des Transmissionswärmeverlusts um bis zu 15-25% (je nach Verglasung).

Thermodynamischer Merksatz für das Portal: Jedes Watt Sonnenenergie, das im Sommer die äußere Glasebene gar nicht erst erreicht, muss nicht mechanisch weggekühlt werden – und jede Barriere, die im Winter ein stehendes Luftpolster vor dem Glas hält, reduziert den Heizwärmeverlust der Gebäudehülle.

8. Dokumentation (Mitgeltende Unterlagen)

  • Checkliste ISO 9001-A1: Aufmaßblatt und technisches Freigabeprotokoll.
  • Gefährdungsbeurteilung GB-04: Thermische Risiken durch sommerliche Überhitzung und mechanische Risiken (Windlasten).
  • Wartungsplan W-Sonnenschutz: Jährliche Reinigung der Aluminiumlamellen und Prüfung der Führungsschienen auf Fremdkörper.

9. Anlagen

  • Anlage 1: Prinzipskizzen zur Montage (Rahmenmontage vs. Laibungsmontage).
  • Anlage 2: Technische Spezifikationen der Aluminiumprofile und Lamellengeometrien.
  • Anlage 3: Referenzwerte zur Berechnung der Amortisationszeit durch eingesparte Heiz- und Kühlenergie.

📄 Anlage 2 / Dokument-ID: GB-04

Gefährdungsbeurteilung: Thermische und mechanische Risiken der Gebäudehülle (Fokus: Außenjalousien)

Gegenstand: Technische Schutzmaßnahmen gegen solare Überhitzung, Transmissionswärmeverlust und Extremwetterereignisse (Sturm).

Zielsetzung: Gewährleistung eines stabilen Raumklimas, Minimierung des Primänergiebedarfs (Heizen/Kühlen) und Sicherung der mechanischen Anlagenintegrität.

Risk-Matrix & Bewertungsschlüssel (nach Nohl)

Zur Einstufung wird das Risiko $R$ als Produkt aus Eintrittswahrscheinlichkeit $E$ und Schadensausmaß $S$ definiert ($R = E \times S$).

  • Risikobereich 1–2: Gering (Akzeptabel, Beobachtung)
  • Risikobereich 3–4: Mittel (Maßnahmen mittelfristig erforderlich)
  • Risikobereich 6–9: Hoch (Sofortiger Handlungsbedarf / Technische Barriere zwingend)

Systematische Gefährdungsanalyse

1. Gefährdungsfaktor: Klimatische Einwirkung – Sommerliche solare Einstrahlung

  • Gefährdung / Auswirkung: Kurzwellige Sonnenstrahlung passiert das Fensterglas ungehindert. Im Innenraum erfolgt die Umwandlung in langwellige Infrarotstrahlung. Da Glas für diese undurchlässig ist, entsteht die Hitzefalle (Die kurzwellige Sonnenstrahlung gelangt durch die Verglasung in den Innenraum. Dort wird sie überwiegend in Wärme umgewandelt. Ein Teil dieser Wärmestrahlung wird von der Verglasung schlechter nach außen abgegeben, wodurch sich der Raum stark erwärmt.).
  • Folgen: Thermische Belastung der Nutzer, Dehydration, drastischer Abfall der Konzentrations- und Leistungsfähigkeit, massiver Anstieg des Sekundärstromverbrauchs durch den Einsatz mechanischer Klimaanlagen (AC).
  • Risiko ohne Schutzmaßnahme: $E: 3$ (Häufig) $\times$ $S: 2$ (Mittlerer Gesundheitsschaden/hoher Energieaufwand) = Risiko 6 (HOCH)

Schutzmaßnahmen nach dem T-O-P-Prinzip:

  • T (Technisch): Installation von außenliegenden Aluminiumjalousien. Die Reflexion und Absorption der solaren Energie erfolgt vor der Verglasung. Reduktion des Gesamtenergiedurchlassgrades ($g$-Wert) des Fenstersystems je nach System bis zu rund 80 %.
  • O (Organisatorisch): Erstellung von Nutzer-Richtlinien: Jalousien bei direkter Ost-, Süd- und Westeinstrahlung präventiv schließen (Verschattungsfahrplan).
  • P (Personenbezogen/Verhalten): Schulung der Bewohner zur sensorgestützten oder manuellen Lamellennachführung (Lichtlenkung statt Totalverdunkelung, um Kunstlicht-Wärmeeintrag zu vermeiden).
  • Restrisiko: $E: 1 \times S: 1$ = Risiko 1 (Gering)

2. Gefährdungsfaktor: Klimatische Einwirkung – Winterlicher Transmissionswärmeverlust

  • Gefährdung / Auswirkung: Bei niedrigen Außentemperaturen wandert Wärmeenergie kontinuierlich von der warmen Innenseite durch die Verglasung nach außen (hoher $U_w$-Wert der ungeschützten Glasfläche).
  • Folgen: Auskühlung der Raumhülle in den Nachtstunden, unbehagliche Strahlungskälte an den Innenseiten der Fenster, massiver Anstieg des fossilen oder elektrischen Heizenergiebedarfs.
  • Die Jalousien wirken nachts. Tagsüber sollten sie bei Wintersonne geöffnet werden.
  • Risiko ohne Schutzmaßnahme: $E: 3$ (Regelmäßig im Winter) $\times$ $S: 2$ (Hohe Heizkosten, CO₂-Emissionen) = Risiko 6 (HOCH)

Schutzmaßnahmen nach dem T-O-P-Prinzip:

  • T (Technisch): Vollständiges Herablassen der Außenjalousien während der Dunkelphase im Winter. Die geschlossenen Aluminiumlamellen erzeugen ein stehendes Luftpolster zwischen Lamellenbehang und Außenscheibe. Dieses Luftkissen wirkt als zusätzliche Dämmschicht und reduziert den Transmissionsverlust spürbar ($U-Wert$-Verbesserung um bis zu 10-20 %).
  • O (Organisatorisch): Automatisierte Schließung des Behangs über eine Zeitschaltuhr oder Dämmerungssensoren, um den Puffer-Effekt in den kältesten Nachtstunden konsequent zu nutzen.
  • P (Personenbezogen/Verhalten): Sensibilisierung der Nutzer, den Behang tagsüber komplett zu öffnen, um die solaren Gewinne (kostenlose Heizenergie durch Wintersonne) mitzunehmen, und erst bei Sonnenuntergang zu schließen.
  • Restrisiko: $E: 2 \times S: 1$ = Risiko 2 (Gering)

3. Gefährdungsfaktor: Mechanische Einwirkung – Extremwetter (Sturm/Böen)

  • Gefährdung / Auswirkung: Hohe Windgeschwindigkeiten erzeugen starke Druck- und Sogkräfte auf die großflächigen Aluminiumlamellen der Außenjalousie.
  • Folgen: Verbiegen oder Brechen der Lamellen, Abreißen aus den seitlichen Führungsschienen, Beschädigung der Fassade oder der Fensterscheibe durch umherschlagende Teile (Sekundärrisiko: herabstürzende Trümmer).
  • Risiko ohne Schutzmaßnahme: $E: 2$ (Möglich bei Wetterextremen) $\times$ $S: 3$ (Schwerer Sachschaden / Anlagenzerstörung) = Risiko 6 (HOCH)

Schutzmaßnahmen nach dem T-O-P-Prinzip:

  • T (Technisch):
    1. Einsatz von robusten, links und rechts fest im Mauerwerk oder Rahmen verankerten Aluminium-Führungsprofilen (Schienenführung ist der Seilführung bei Wind vorzuziehen).
    2. Ausrüstung der Jalousie mit gebördelten Lamellen (erhöhte Torsionssteifigkeit).
    3. Integration eines mechanischen oder elektronischen Windsensors (Anemometer), der den Behang ab einer definierten Windklasse (z. B. > 15 m/s) automatisch und zwangsgesteuert in den schützenden Jalousiekasten hochfährt.
  • O (Organisatorisch): Festlegung von Wartungsintervallen (zyklische Prüfung der Führungsschienen auf festen Sitz und Fremdkörper einmal jährlich vor der Sturmsaison).
  • P (Personenbezogen/Verhalten): Bei manuellen Systemen: Verpflichtung der Nutzer, bei Sturmwarnung die Jalousien komplett einzufahren. Notbedienung (z.B. Ihre Notfalllösung mit Saughaken) muss bei Sturmankündigung sofort demontiert werden.
  • Restrisiko: $E: 1 \times S: 2$ = Risiko 2 (Gering)

📄 Zusammenfassendes Risikoprofil (Dokumentationsmatrix)

IDGefährdungsaspektR (Brutto)Primäre BarriereR (Netto)Überwachungs-Turnus
GB-04.1Solare Überhitzung6Außenliegende Alu-Reflexion1Saisonal (Mai)
GB-04.2Winter-Wärmeverlust6Statisches Luftpolster (Nachtabsenkung)2Saisonal (Oktober)
GB-04.3Sturmschäden (Mechanik)6Alu-Führungsprofile / Windwächter2Jährlich (Wartungsplan)

Warum Außenjalousien besser sind als Innenrollos.

innenaußen
Sonne gelangt bereits ins GebäudeSonne bleibt draußen
Glas erwärmt sich starkGlas bleibt deutlich kühler
WärmestauReflexion vor der Scheibe
geringerer Effektdeutlich wirksamer

Freigabe und Revision

Dieses Dokument ist Teil des integrierten Managementsystems der Umweltgenossenschaft (in Anlehnung an EN ISO 9001) und verliert bei baulichen Veränderungen an den Führungsprofilen seine Gültigkeit.

  • Erstellt durch: Fachbereich Umweltsicherheit & Thermodynamik
  • Status: Freigegeben zur Implementierung auf dem DUGV-Portal

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Die tatsächliche Amortisationszeit hängt von Fensterqualität, Nutzung, Energiepreisen, Verschattungssituation und Klimabedingungen ab.

Außenjalousien sind damit nicht nur ein Bauteil des sommerlichen Wärmeschutzes, sondern eine technische, organisatorische und wirtschaftliche Maßnahme innerhalb eines integrierten Umwelt- und Energiemanagementsystems.


Revision: 1Erstellt/Geändert:Geprüft:Freigegeben:Gültig ab:
Datum:12.07.202612.07.202612.07.202612.07.2026
Unterschrift:Beauftragter/ChatGPT/GEMINIAufsichtsratVorstandBeauftragter