Klimaschutz systematisieren: Nach dem Vorbild des Arbeitsschutzes
Warum ist das wichtig?
Der Klima- und Umweltschutz braucht verbindliche, systematische und praxistaugliche Methoden. Während der Arbeitsschutz seit Jahrzehnten auf klaren gesetzlichen Strukturen, Gefährdungsbeurteilungen und dem Prinzip der kontinuierlichen Verbesserung beruht, fehlt ein vergleichbares System im Klima- und Umweltschutz bislang weitgehend.
Mit der EU-Verordnung über das Umweltmanagementsystem EMAS existiert bereits ein bewährtes fachliches Fundament. Seine Anwendung ist jedoch freiwillig. Langfristig sollten die methodischen EMAS-Kriterien für Unternehmen verbindlich werden – jedoch ohne verpflichtende externe Validierung, damit der Schwerpunkt auf der tatsächlichen Verbesserung der Umweltleistung und nicht auf zusätzlicher Bürokratie liegt.
Die größte Herausforderung besteht darin, dass Umweltgefährdungsbeurteilungen wesentlich komplexer sind als klassische Gefährdungsbeurteilungen im Arbeitsschutz. Sie enden nicht an der Werkstorgrenze, sondern müssen globale Stoff- und Energiebilanzen, planetare Belastungsgrenzen sowie langfristige Auswirkungen auf Klima und Umwelt berücksichtigen.
Bis heute existiert kein allgemein anerkannter, gesetzlich verankerter und betrieblich anwendbarer Katalog von Umweltgefährdungsfaktoren, der Unternehmen eine systematische Umweltgefährdungsbeurteilung nach dem Vorbild des Arbeitsschutzes ermöglicht.
Genau hier können die Berufsgenossenschaften und Unfallkassen ihre jahrzehntelange Erfahrung einbringen. Sie verfügen über bewährte Strukturen zur Entwicklung praxisnaher Regeln, Gefährdungsbeurteilungen, Handlungshilfen und Schulungskonzepte. Diese Kompetenz sollte für den Klima- und Umweltschutz genutzt und weiterentwickelt werden.
Unsere Forderung
Wir fordern den Deutschen Bundestag auf, die gesetzlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit der Klima- und Umweltschutz nach dem erfolgreichen Vorbild des Arbeitsschutzes methodisch systematisiert wird.
1. Entwicklungsauftrag an die Berufsgenossenschaften und Unfallkassen
Die Berufsgenossenschaften und Unfallkassen sollen beauftragt und finanziell unterstützt werden, gemeinsam mit Wissenschaft, Wirtschaft und Behörden wissenschaftlich fundierte und praxisgerechte Grundlagen für eine betriebliche Umweltgefährdungsbeurteilung zu entwickeln.
2. Entwicklung verbindlicher Umweltgefährdungsfaktoren
Es soll ein allgemein anwendbarer Rahmen geschaffen werden, der globale Umweltbelastungen, Stoff- und Energiebilanzen sowie weitere wissenschaftlich belastbare Umweltparameter in nachvollziehbare betriebliche Gefährdungsfaktoren übersetzt.
3. Verbindliche Einführung von Umweltmanagementsystemen nach EMAS-Kriterien
Die methodischen Anforderungen der EMAS-Verordnung sollen langfristig für Unternehmen verbindlich eingeführt werden – mit möglichst geringem bürokratischem Aufwand und ohne verpflichtende externe Validierung, damit Innovation, Eigenverantwortung und kontinuierliche Verbesserung im Vordergrund stehen.
4. Neues Berufsbild “Fachkraft für Umweltsicherheit”
Langfristig soll ein neues Berufsbild analog zur Fachkraft für Arbeitssicherheit aufgebaut werden. Diese Fachkräfte sollen Unternehmen bei der Durchführung von Umweltgefährdungsbeurteilungen, der Einführung von Umweltmanagementsystemen und der kontinuierlichen Verbesserung ihrer Umweltleistung fachlich unterstützen.
Kurzbegründung (für WeAct / Campact)
Klimaschutz braucht endlich System statt Einzelmaßnahmen. Deshalb fordern wir den Deutschen Bundestag auf, den Umwelt- und Klimaschutz nach dem erfolgreichen Vorbild des Arbeitsschutzes zu strukturieren. Da Umweltgefährdungsbeurteilungen globale Stoff- und Energiebilanzen sowie planetare Belastungsgrenzen berücksichtigen müssen, sind sie deutlich komplexer als klassische Gefährdungsbeurteilungen. Die Berufsgenossenschaften und Unfallkassen sollen deshalb beauftragt werden, wissenschaftlich fundierte Umweltgefährdungsfaktoren und praxisnahe Handlungshilfen zu entwickeln. Auf dieser Grundlage können Unternehmen Umweltmanagementsysteme nach EMAS-Kriterien anwenden und künftig von speziell ausgebildeten Fachkräften für Umweltsicherheit unterstützt werden.
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